BMBF-Projekt Zirkulation

Filmzirkulation im internationalen Festivalnetzwerk und der Einfluss auf globale Filmkultur

  
Zum August 2017 startete am Institut für Medienforschung der Universität Rostock angesiedelte Projekt „Filmzirkulation im internationalen Festivalnetzwerk und der Einfluss auf globale Filmkultur“ unter der Leitung von Dr. Skadi Loist.  Das Projekt wird im Rahmen des Programms „Kleine Fächer, große Potenziale“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) für 3 Jahre gefördert.

Projektbeschreibung

Seit der Entstehung der ersten Filmfestivals in den 1930er Jahren hat sich der Festivalsektor auf weltweit über 6.000 aktive Filmfestivals in jeder Region, mit jeder Größe und thematischen Ausrichtung ausdifferenziert.  Festivals machen Filme jenseits des kommerziellen Abspiels einem breiten Publikum zugänglich und sind als Schauplatz und Entwicklungsort der Filmbranche ein wichtiger Bestandteil der globalen Filmkultur.  Das Projekt „Filmzirkulation im internationalen Festivalnetzwerk und der Einfluss auf globale Filmkultur“ nutzt die Potenziale des kleinen Faches Filmwissenschaft, um den Einfluss von Filmfestivals auf die globale Filmkultur zu untersuchen.

In der Studie werden die in der Filmwissenschaft theoretisch entwickelten Modelle zum Verständnis des Festivalnetzwerks erstmals in einer breiten empirischen Untersuchung überprüft und im Dialog mit der Branche weiterentwickelt.  Ziel des Projekts ist es, erstens eine Datenbasis zu schaffen, die den Lauf eines Films innerhalb des Festivalnetzwerks (den sog. festival run) für ca. 2.500 Filme aus dem kompletten Programm von sechs bedeutenden Filmfestivals innerhalb einer Festivalsaison, von der Premiere bis zur letzten Festivalauswertung dokumentiert.  Diese Datensammlung bildet in einem zweiten Schritt die Grundlage für die Entwicklung einer neuen Methode für die Visualisierung der komplexen zeitlichen und räumlichen Zirkulation der Filme im Festivalnetzwerk: das Mapping der festival runs.  Dazu werden Ansätze aus den Digital Humanities und der Geo-Visualisierung aktiviert, um neue Analysemethoden zur entwickeln.  Die Analyse dieses Mappings trägt drittens dazu bei, differenzierte Aussagen darüber zu treffen, wie sich Filme z.B. in Abhängigkeit von Parametern wie Herkunftsland, Genre, Budgethöhe innerhalb des verzweigten Festivalnetzwerks bewegen und wie Festivals die Verbreitung von Filmen in der globalen Filmkultur beeinflussen.

Mit den Ergebnissen des Projekts lassen sich sowohl neue (film)wissenschaftliche Erkenntnisse erlangen, z.B. zur Relevanz des Festivalnetzwerks für die Filmauswertung.  Anstatt Filmfestivals rein ökonomisch zu untersuchen, bezieht die Filmwissenschaft auch kreative Strukturen und Ästhetik der globalen Filmkultur ein.  Dies eröffnet neue Perspektiven auf die Zirkulation von Filmen, die sowohl für das Fach als auch die Film- und Festivalbranche relevant sind.  Das Projekt leistet so einen Beitrag zum Verständnis der globalen Filmkultur, z.B. wie Genres und Themen, ästhetische Innovationen und Erfolge von Filmemacher*innen durch Festivals beeinflusst werden.  Diese Ergebnisse greifen aktuelle Diskussionen zu Globalisierung und Medienwandel in der Filmwissenschaft auf und können auch über die Grenzen der Akademie hinaus für die Branche neue Impulse setzen.